weitere Informationen:

Umweltbundesamt: BPA - Massenchemikalie mit unerwünschten Nebenwirkungen (UBA, 06-2010)

EFSA-Themen: Bisphenol A

EFSA-Studie (EFSA 11/2006)

BfR: Hintergrundinformation zu Bisphenol A (BfR, 04-2010)

BfR: Fragen und Antworten zu Bisphenol A in verbrauchernahen Produkten (BfR, 09/2008)

REACH-Verordnungstext

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bisphenol A (2,2-Bis(4-hydroxyphenyl)propan) und
Bisphenol S (4,4´-Sulfonyldiphenol)

Bisphenol A - ein endokriner Disruptor in Kunststoffen - Substanz mit schädlicher Wirkung auf das Hormonsystem

Das Bild zeigt die chemische Struktutr eines Bisphenol A Moleküls. Viele Lebensmittelverpackungen bestehen aus Kunststoff. Endokrin aktive Substanzen stammen entweder aus den Bausteinen (Monomere) oder aus den Zusatzstoffen (Additive) der Kunststoffe. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler befassen sich mit der Frage, ob die chronische Aufnahme von diesen schwach hormonell wirksamen Substanzen aus Lebensmittelverpackungsmaterialien ein gesundheitliches Risiko für Verbraucherinnen und Verbraucher ist. Um dies bewerten zu können, braucht man wissenschaftliche Methoden. Bisher sind diese in ihrer Aussagekraft begrenzt: Sie erlauben einen Überblick über potenziell endokrin wirksame Substanzen in Materialien (Screening-Verfahren) und sie können die hormonartigen Wirkmechanismen einzelner Substanzen in vitro, das heißt im Reagenzglas, klären. Für eine wissenschaftliche Risikobewertung reicht dies nicht aus, weil häufig unklar ist, inwieweit sich solche Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen. Eine allgemein akzeptierte Vorgehensweise für den Nachweis von endokrinen Substanzeigenschaften existiert im Bereich der Lebensmittelbedarfsgegenstände bisher nicht. Daher erlauben Studien zu hormonartigen Wirkungen in der Regel keine gesundheitliche Bewertung, die über die bereits bestehenden Bewertungen auf der Grundlage von tierexperimentellen Daten zur (sub)chronischen Toxizität und/oder zur Reproduktionstoxikologie hinausgeht.

Bisphenol A (BPA) ist eine Industriechemikalie, die als Ausgangssubstanz für die Herstellung von Polycarbonat-Kunststoffen und Kunstharzen verwendet wird. Aus Polycarbonat werden zum Beispiel Babyfläschchen und Trinkbecher hergestellt und die Innenbeschichtung von Konservendosen. BPA gehört zu einer Gruppe von Substanzen, die ähnlich wie das weibliche Sexualhormon Östrogen wirken können. Im menschlichen Körper wird BPA schnell in ein Stoffwechselprodukt umgewandelt, das keine östrogene Wirkung mehr hat und über die Nieren ausgeschieden wird. BPA kann in geringen Mengen aus Innenbeschichtungen von Konservendosen, aus Polycarbonatbabyfläschchen (Trinkflaschen, Babyflaschen) aber auch aus Babyschnuller sowie aus Thermopapier (z.B. Kassenrollen, Kassenzettel) freigesetzt werden und auch auf Lebensmittel übergehen (Migration). Nach den vorhandenen Migrationsdaten dieser Produkte nehmen Verbraucherinnen und Verbraucher, einschließlich Kinder, deutlich weniger auf als die tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (TDI: 0,05 Milligramm BPA pro Kilogramm Körpergewicht), die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) festgesetzt wurde. Auch die vom Umweltbundesamt (UBA) erhobenen Daten zur BPA-Konzentration im Urin von Kindern zeigen, dass der TDI-Wert für BPA sehr deutlich unterschritten wird. Nach sorgfältiger wissenschaftlicher Bewertung aller bisherigen Studien, insbesondere auch der Studien im Niedrigdosisbereich von Bisphenol A, kommen die EFSA (EFSA-Studie) wie auch das BfR (BfR-Studie) zu dem Ergebnis, dass für Säuglinge und Kleinkinder kein gesundheitliches Risiko durch Bisphenol A besteht, wenn die Polycarbonatflaschen wie üblich verwendet werden. Das Altstoffchemikalien-Programm der EU und die europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA bewerten daher Produkte auf Bisphenol A-Basis für Verbraucherinnen und Verbraucher derzeit als unbedenklich. Kanada, Dänemark und Frankreich dagegen haben aus Vorsorgegründen Bisphenol A-haltige Babyflaschen und andere Produkte für Kinder (Babyschnuller) verboten.

Die europäische Chemikalienverordnung REACH (Registration, Evaluation and Authorisation of Chemicals) stärkt die Eigenverantwortung der Chemieindustrie. Unternehmen, die Bisphenol A herstellen oder verwenden sind verantwortlich, die Risiken von Bisphenol A über den gesamten Lebenszyklus zu bewerten und eventuelle Risiken zu mindern. In einem aktuell veröffentlichten Hintergrundbericht empfiehlt das Umweltbundesamt Herstellern, Importeuren und Verwendern von Bisphenol A bereits heute Verwendungen, die Mensch und Umwelt belasten, durch gesundheits- und umweltfreundliche Alternativen zu ersetzen - als Beitrag zum vorsorglichen Schutz von Mensch und Umwelt.

Gesundheitliches Risiko durch Bisphenol A

Nach aktuellen Untersuchungen sind vermehrt Fortpflanzungs- und Entwicklungsstörungen vor allem bei Männern und männlichen Tieren zu beobachten. Als Ursache werden bestimmte Chemikalien vermutet, die das Hormonsystem beeinflussen können und die mit der Nahrung und über die Luft aufgenommen werden. Solche sogenannten „endokrine Disruptoren“, stehen im Verdacht, die Entstehung bestimmter Tumore zu fördern, die Entwicklung des menschlichen Organismus zu stören oder die Fortpflanzungsfähigkeit zu mindern.

Untersuchung der Bisphenol A - Ersatzstoffe und weitere Substanzen in Thermopapier

Bisphenol S (BPS) ist ebenfalls eine chemische Verbindung aus der Gruppe der Bisphenole, bei der die zentrale Methylengruppe jedoch durch eine Sulfonylgruppe ersetzt wird. Bisphenol S wird bei Polymerreaktionen (zum Beispiel bei der Herstellung von Polycarbonaten) eingesetzt. Es wird auch als Bestandteil von Epoxidharzen und als Antikorrosionsmittel und galvanotechnischer Hilfsstoff sowie als Zwischenprodukt zur Herstellung von Flammschutzmitteln, Thermopapier und weiterem verwendet. Die Auswirkungen von Bisphenol S auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt sollten unter REACH im Jahr 2014 im Rahmen der Stoffbewertung von Belgien geprüft werden. 2015 erfolgt die Aktualisierung der Prüfung.

Für die Produktprüfung von Thermopapier bieten wir neben der Bestimmung von Bisphenol A und S zusätzlich auch die Untersuchung von Thermopapier auf weitere Parameter wie z.B.:

- Bisphenol B
- Bisphenol C2
- Pergafast 201
- Wincon D8
- 2,4´Bis(hydroxyphenyl)sulfon sowie
- Benzyl-2-naphthylether an.


Hormonell wirksame Substanzen (Endokrine Disruptoren)

Das Hormonsystem ist an der Steuerung nahezu aller Körperfunktionen beteiligt, etwa an der Energieproduktion und -nutzung, an der Blutdruckregulation und an der Regulation des Elektrolythaushalts. Reaktionen auf Notfallsituationen (Hunger, Stress, Infektionen) werden hormonell gesteuert, ebenso die Stimmung, das Verhalten, das Wachstum, die Entwicklung und die Fortpflanzung. Das Hormonsystem wird von zahlreichen inneren und äußeren Faktoren beeinflusst. Viele natürliche und synthetische Substanzen können darauf einwirken, wenn sie in den Körper gelangen. Kritische Dosen können so einerseits bestimmte hormonabhängige Körperfunktionen direkt stören. Substanzen, die schädliche Wirkungen auf das Hormonsystem haben können, werden als endokrine Disruptoren bezeichnet. Endokrine Disruptoren sind allerdings keine definierte Substanzgruppe. Dass sie auf das Hormonsystem wirken können, ist eine ihrer Eigenschaften. In ihren übrigen Eigenschaften können sie sich dagegen voneinander unterscheiden. Epidemiologische Studien zeigen eine Zunahme von Tumoren in Organen, die hormonell reguliert werden, zum Beispiel von Brust- und Prostatakrebs. Auch Beeinträchtigungen der männlichen Fortpflanzungsfähigkeit durch Hodenhochstand oder sinkende Spermienzahl werden zunehmend beobachtet. Sie werden in der Wissenschaft als mögliche Folge der Aufnahme endokrin wirksamer Substanzen aus der Umwelt und aus Lebensmitteln diskutiert, ein Kausalzusammenhang ist jedoch bislang nicht belegt.

 

Ihre Ansprechpartner bei Fragen rund ums Thema Produktprüfung

Dr. Wigbert Maraun, Sonja Pfeil, Tel. 06171 / 71817