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ARGUK-News

Hier finden Sie aktuelle Neuigkeiten zu Umweltschadstoffen sowie interessante Fälle aus unserer Praxis.
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Überblick

19.09.2017 ARGUK entwickelt differenzierende Methode zur Bestimmung von Gesamt-Quecksilber, Quecksilber(II)-Chlorid („Sublimat“) und metallischem Quecksilber in der Raumluft [...]
16.03.2017 ARGUK stellt Ergebnisse der Studien-Arbeit vor: Das Vorkommen von Ameisen- und Essigsäure in der Raumluft von Fertighäusern in Holzständerbauweise [...]
07.07.2016 XAD-2 als Adsorbens für Phenole, Naphthalin- und Naphthalin-ähnliche Verbindungen sowie für Brandgeruchsstoffe [...]
05.01.2016 Uringeruch und Kontamination in Baumaterial analytisch-sensorisch nachweisen [...]
13.08.2015 Führen OSB-Platten zu erhöhten Raumluftbelastungen? [...]
01.08.2015 Woolit aus Ziegelsteinen oder Deckenplatten analysieren und bewerten [...]
20.01.2015 Ameisen- und Essigsäure in der Raumluft als Auslöser für Schleimhautreizungen [...]
05.02.2014 Geruchbelastungen durch iso-Dodecene in Innenräumen mit textilen Bodenbelägen.[...]
04.02.2014 Brandschäden: Neue IRK-Richtwerte für Naphthalin und Naphthalin-ähnliche Verbindungen zur Beurteilung des Sanierungserfolges.[...]
07.12.2013 ARGUK etabliert ersten hygienischen Leitwert für die Geruchsbelastung durch Zigarettenrauch in Nichtraucherwohnungen.[...]
01.12.2013 Weiter herabgesetzter Grenzwert von 0,01 mg/L für die Konzentration von Blei im Trinkwasser seit 01.12.2013 gültig.[...]
13.11.2013
Östrogen wirksame Stoffe im Hausstaub [...]
30.09.2013 Materialemissionsprüfungen im Vergleich [...]
05.04.2013
ARGUK präsentiert Studie zum Vorkommen von Mineralöl in Hausstaub und Raumluft[...]
14.03.2013
ARGUK ergänzt Fogging-Parameterliste[...]

23.01.2013
Fertighaus-Untersuchung und gutachterliche Verantwortung [...]

 



19.09.2017
ARGUK entwickelt differenzierende Methode zur Bestimmung von Gesamt-Quecksilber, Quecksilber(II)-Chlorid („Sublimat“) und metallischem Quecksilber in der Raumluft

In Innenräumen können neben dem bekannten metallisch/elementaren Quecksilber aus zerbrochenen Thermometern, Energiesparlampen, alten Spiegeln oder Messgeräten auch zweiwertige Quecksilber- oder organische Verbindungen von Quecksilber in nicht unerheblicher Konzentration auftreten. Die nichtmetallischen Verbindungen sind vor allem auf die Verwendung von Quecksilber (I+/II+) als Farbpigment, im Pflanzenschutz oder als Fungizid im Holzschutz zurückzuführen und finden sich überwiegend in älteren Objekten. Zur Hautaufhellung werden Quecksilber (II+)-Verbindungen bis heute noch in Afrika und Asien verwendet. Als Desinfektionsmittel fanden Quecksilberverbindungen bis 2003 Anwendung. Quecksilber(II)chlorid ist auch bekannt als „Sublimat“ und wurde vor allem als Desinfektions- und Holzschutzmittel verwendet.

Elementares Quecksilber und organische Quecksilber-Verbindungen werden über den Atemtrakt bis zu 100% resorbiert. Elementares Quecksilber und organische Quecksilberverbindungen sind toxikologisch zudem besonders relevant, da sie nach Resorption die Blut-Hirn-Schranke überwinden können, Quecksilber (I+/II+)-Verbindungen erst nach Metabolisierung. Bei chronischer Belastung durch elementares Quecksilber werden unter anderem Nieren- und Nervenschädigungen beobachtet.

Der von der ehemaligen Ad-hoc-Arbeitsgruppe Innenraumrichtwerte der Kommission Innenraumlufthygiene (IRK) und der Obersten Landesgesundheitsbehörden – heute Ausschuss für Innenraumschadstoffe (AIR) im Umweltbundesamt – etablierte Innenraumrichtwert I liegt mit 35 ng/m³ (Vorsorgewert) in einem sehr niedrigen Bereich und wurde für metallisches Quecksilber abgeleitet. Aufgrund der kritischen toxikologischen Eigenschaften der nichtmetallischen und organischen Quecksilber-Verbindungen ist der Richtwert jedoch auf den Gesamt-Quecksilber-Gehalt der Raumluft anzuwenden.

Aufgrund von aktuellen Messungen in einem Quecksilber-belasteten Objekt hat das ARGUK-Umweltlabor irreguläre Prozesse bei der Anreicherung von Quecksilber an Gold nach dem Verfahren der derzeit gültigen VDI-Norm 2267, Blatt 9, festgestellt: Das Verfahren eignet sich ausschließlich für die Bestimmung von elementarem Quecksilber, alle anderen Quecksilber-Verbindungen werden nicht ausreichend verlässlich reproduzierbar erfasst. Die Ergebnisse aus der Probenserie finden Sie hier zusammengefasst: http://www.arguk.de/leistung/innenraum/documents/Quecksilber-in-der-Raumluft_Studienreihe-Teil-1.pdf.

Das ARGUK-Umweltlabor hat deshalb eine Methode für die Bestimmung des Gesamt-Gehaltes an Quecksilber und/oder des Anteils an Quecksilber-Sublimat (Quecksilber-Chlorid) entwickelt. Das Verfahren wird in der Studienreihe Teil 2 vorgestellt: http://www.arguk.de/leistung/innenraum/documents/Quecksilber-in-der-Raumluft_Studienreihe-Teil-2.pdf.

 

 

16.03.2017
ARGUK stellt Ergebnisse der Studien-Arbeit vor:
Das Vorkommen von Ameisen- und Essigsäure in der Raumluft von Fertighäusern in Holzständerbauweise

Das ARGUK-Umweltlabor hatte bereits im Jahr 2015 ein neues analytisches Verfahren zum Nachweis und zur Bewertung der Reizwirkung und Geruchsbelästigung durch niedere Carbonsäuren wie Ameisen- und Essigsäure in Innenräumen vorgestellt. Für die Probenahme wird Silikagel als Adsorbens verwendet, die Analyse erfolgt nach Derivatisierung mittels GC-MS (Siehe ARGUK-Info 15-1). Das allgemein übliche bisher verwendete Probenahmeverfahren mittels TENAX wurde als methodisch ungeeignet erklärt.

Im Rahmen der Studien-Arbeit im ARGUK-Umweltlabor wurde nun ein Datenpool von insgesamt 83 Proben aus Fertighäusern überwiegend aus den Baujahren 1960 bis 1980 hinsichtlich der Perzentil-Werte, Korrelationen zwischen Ameisen- und Essigsäure sowie zu Formaldehyd und Acetaldehyd, Ausschluss von Fremd-Quellen sowie einem Herstellungs-zeitlichen Verlauf der Raumluftkonzentrationen näher untersucht. Die Ergebnisse wurden auf dem AGÖF-Kongress 2016 vorgestellt und finden sich im Kongress-Reader oder unter http://www.arguk.de/infos/documents/Essigsaeure_in_der_Raumuft_von_Fertighaeusern_Kurzfassung.pdf als Kurzfassung oder http://www.arguk.de/infos/documents/Essigsaeure_in_der_Raumuft_von_Fertighaeusern_red.pdf (Lange Version).

FAZIT:

Den Ergebnissen nach liegen in ca. 17 % aller untersuchten Proben Überschreitungen des bisher unveröffentlichten Gefahrenwertes des Ausschuss für Innenraumrichtwerte (bestimmt unter „worst-case“ Bedingungen) vor. Aus der Korrelation zwischen Ameisen- und Essigsäure ist von Holzwerkstoffen als Quelle auszugehen, Fremd-Quellen sind ganz überwiegend auszuschließen. Aus der zeitlichen Korrelation mit dem Herstellungsjahr lässt sich ableiten, dass es ab 1980 keine erkennbar geringeren Ameisen- und Essigsäure-Gehalte als in den Jahren vor 1980 gibt.

50. Perzentil
[µg/m³]

90. Perzentil
[µg/m³]

Max. Wert
[µg/m³]

Min. Wert
[µg/m³]

ARGUK-
Vorsorgewert
[µg/m³] (vorläufig)

ARGUK-
Gefahrenwert
[µg/m³] (vorläufig)

Ameisensäure

35

75

197

  4

  40

150

Essigsäure

200

450

970

29

100

400

n=83

Die Überprüfung der Raumluftkonzentration in älteren und neueren Holzständerwerken / Holzrahmenbauten oder Gebäuden mit hohem Anteil an OSB- und Pressspan-Werkstoffen auf Ameisen- und Essigsäure als klassische Reizstoffe scheint nach unserem Ermessen deshalb für die Innenraumdiagnostik in der Routine als zwingend geboten.

 

07.07.2016
Wir stellen vor: XAD-2 als Adsorbens für
Phenole, Naphthalin- und Naphthalin-ähnliche Verbindungen sowie für Brandgeruchsstoffe

Die ehemalige Ad-hoc-Arbeitsgruppe Innenraumrichtwerte der Kommission Innenraumlufthygiene (IRK) und der Obersten Landesgesundheitsbehörden – heute Ausschuss für Innenraumschadstoffe (AIR) im Umweltbundesamt – hatte den Innenraumrichtwert für Naphthalin bereits zu Beginn des Jahres 2014 um die Naphthalin-ähnlichen Verbindungen erweitert und einen Vorsorgewert von 0,01 mg/m³ (RW I) mit einem Gefahrenwert von 0,03 mg/m³ (RW II) etabliert. Die Richtwerte stellen den Summenwert für die Gesamtgruppe Naphthalin und Naphthalin-ähnlicher Verbindungen (Monomethyl- und Dimethylnaphthalne und weitere bi- und trizyklische aromatische Kohlenwasserstoffe dar (weitere Informationen in unserer ARGUK-Info von Februar 2014).

Als Quelle für diese geruchlich auffälligen Verbindungen in der Innenraumluft kommen vor allem Emissionen aus teerhaltigen Bauprodukten wie Teerpechkleber, Asphaltbodenplatten oder gelegentlichem Einsatz von Mottenkugeln in Betracht. Weiterhin bilden Naphthalin und Naphthalin-ähnliche Verbindungen gemeinsam mit den PAKs sowie den Phenolen und Guajakolen und anderen als Produkte einer unvollständigen Verbrennung einen Beitrag als Brandgeruchsstoffe nach Brandereignissen.

(Siehe auch http://www.arguk.de/leistung/gebaeude/Brandschaden-Untersuchung-auf-Brandgerueche-durch-Phenole-Naphthaline-sowie-Brandrueckstaende.html)

Aus praktischen Gründen empfehlen wir aktuell die Verwendung von XAD-2 als Adsorbens für die analytische Bestimmung dieser Parameter. Die Einweg-Kartuschen sind belegt mit einem Styrol-Divinylpolymer, das in Form einer praktischen Kunststoffkartusche (Geometrie eines DNPH-Sammlers) auch in einem Brief versendet werden kann – damit besteht keine Glasbruchgefahr mehr! Dieses Adsorbens bietet vor allem reduzierte Probenahmezeiten, verbesserte Wiederfindungsraten und deutlich höhere Stabilität der Analyten auf dem Adsorbens nach der Probenahme. Bei längerer Lagerzeit der bereits gewonnenen Probe oder verlängerten Postlaufzeiten kann damit ein Verlust der Analyten reduziert werden. Auch im Vergleich mit TENAX als Adsorbens eignet sich der XAD-2-Sammler deutlich besser, da TENAX als Adsorbens zwar für leichtflüchtige Verbindungen und deren Bestimmung mittels thermischer Desorption verwendet wird. Semivolatile Verbindungen wie die ausgeführten sind einer thermischen Desorption jedoch weniger zugänglich.

Die XAD-2-Sammler werden bei uns im Labor jeweils mit internem Standard vordotiert und sollten kühl gelagert werden.

Wie bei der Probenahme mit DNPH benötigen Sie für die Probenahme einen Adapter für den Schlauchanschluss, den Sie einfach von Ihrem DNPH-Set verwenden können. Benötigen Sie weitere Adapter, können Sie diese ohne Aufpreis bei uns ausleihen. Die Adapter werden jedoch in Rechnung gestellt, wenn die Adapter mit dem belegten Probenahmeröhrchen nicht zurück ins Labor gesendet werden.

 

05.01.2016
Uringeruch und Kontamination in Baumaterial analytisch-sensorisch nachweisen

Das ARGUK-Umweltlabor stellt eine neue analytisch-sensorische Methode zum Nachweis und zur Bewertung der Geruchsbelastung und Kontamination mit Urin in Materialproben aus Innenräumen vor.

Urinbelastungen in Baumaterialien, meist bedingt durch Katzenurin infolge nicht artgerechter und hygienisch unzulässiger Tierhaltung, kann insbesondere im Bodenbelag/Teppich bis in den Estrich hinein zu langjährigen Geruchsbelästigungen und notwendige Sanierungen zu beträchtlichen finanziellen Schäden führen. Die gerichtsfähige Analytik dient vor allem dem Nachweis, dass eine entsprechende Kontamination tatsächlich erfolgt ist und ein vor Ort möglicherweise wahrnehmbarer Geruch auf einer Verunreinigung mit Urin beruht.

Urin von Säugetieren enthält vor allem Harnstoff und Kreatinin als charakteristische Bestandteile, darüber hinaus geringe Mengen an Proteinen und anderen Inhaltsstoffen. Auch frischer Urin ist je nach ernährungsbedingter Zusammensetzung und Herkunft nicht geruchsneutral. Mit fortschreitendem mikrobiellen Abbau der Urininhaltsstoffe werden jedoch zunehmend als "stechend" wahrnehmbare Geruchsstoffe gebildet.

Über eine rein sensorisch-geruchliche Untersuchung von Materialproben, die an mehreren Stellen im Objekt entnommen werden können, kann eine Vorauswahl getroffen werden, welche Materialproben für eine zielgerichtete Analytik geeignet sind. Je nach Fragestellung können mit dieser Vorprüfung Analysekosten auf ein sinnvolles, aber notwendiges Minimum reduziert werden. Die Sensorik erfolgt durch ein geschultes Geruchsprüferteam von 4-5 Personen und beinhaltet neben einer Geruchsbeschreibung auch die Ableitung typischer Geruchskennwerte für Intensität, Akzeptanz und Hedonik der Geruchsproben.

Zum eindeutigen Nachweis einer Urinkontamination ist die Bestimmung der typischen Harninhaltsstoffe in mindestens einer Materialprobe zwingend notwendig. Hier bietet sich die Analytik in einer Probe von höchster Intensität des typischen Uringeruchs an. Zur analytisch-chemischen Feststellung des typisch "stechenden" Geruchs kann zusätzlich auch eine dynamische Emissionsprüfung erfolgen.

Jeder einzelne Fall bedarf einer gesonderten Prüfung, da Harnstoff auch aus einigen Materialien ohne Urin-Kontamination gebildet werden kann und auch die Emission eines stechenden Geruchs nicht in jedem Fall allein aus einer Kontamination mit Urin bedingt sein muss. Hier steht Ihnen das Team des ARGUK-Umweltlabors mit fachkundig chemisch gebildeten Experten beratend zur Seite.

Gerne stehen wir Ihnen für ein Beratungsgespräch auch vor Ort mit unseren zertifizierten Geruchsprüfern zur Verfügung!

 

13.08.2015
Führen OSB-Platten zu erhöhten Raumluftbelastungen?

In einem aktuellen Fall wurden in einer neu gebauten Kinderbetreuungseinrichtung hohe Belastungen der Raumluft mit VOC vom ARGUK-Umweltlabor festgestellt.

Das Gebäude ist in Holzständerbauweise mit offen liegenden OSB-Platten als Wand- und Deckenelemente errichtet worden.

Untersuchungen der Raumluft haben neben hohen Terpen-Gehalten eine hohe Belastung durch Aldehyde wie auch durch Ameisen- und Essigsäure erbracht. Es bestand dazu eine starke Geruchsbelastung.

Die Terpene stammen aus den Harzanteilen der für die OSB-Platten vorwiegend verwendeten Nadelhölzer (Kiefer, Fichte). Dabei kann allein durch alpha-Pinen eine hohe Überschreitung des Innenraum-Richtwertes auftreten.

Durch die thermischen Bedingungen bei der Herstellung (Temperaturen zwischen 250 und 400°C) kommt es zu oxidativen Zersetzungsreaktionen ungesättigter Fettsäuren und Bildung der Aldehyde. Dies kann bei einem großflächigen Einbau von OSB-Platten zu hohen Überschreitungen des Innenraum-Richtwertes für Acetaldehyd (als ein Stoff mit Verdacht einer krebserzeugenden Wirkung beim Menschen eingestuft) führen. Die assoziiert auftretenden höheren Aldehyde (insbesondere Pentanal, Hexanal und Nonanal) zeigen ein typisches Muster, das sich von dem anderer Aldehyd-Quellen (wie Linoleum oder Alkydharzlacke) deutlich unterscheidet. Auch hier kann es durch die OSB-Platten zu Raumluftbelastungen durch die höheren Aldehyde mit hoher Überschreitung des Innenraumrichtwertes kommen.

Durch die Herstellungsbedingungen der OSB-Platten spalten sich die sog. „Holzsäuren“ Ameisensäure und Essigsäure aus der Zellulose ab. Für die Essigsäure (Ethansäure) hat die Innenraumrichtwerte-Kommission beim Umweltbundesamt in einer Protokollnotiz in 2011 einen Gefahrenwert von 400 µg/m³ genannt. Ein Vorsorge-Richtwert als „Innenraum-Richtwert“ wurde daraus jedoch noch nicht abgeleitet. Dieser Gefahrenwert für Essigsäure kann in Gebäuden mit großflächig verbauten OSB-Platten erreicht sein. Bei der analytischen Bestimmung der Essigsäure kommt noch hinzu, dass der üblicherweise durchgeführte Nachweis mittels Thermodesorptionsverfahren zu einem erheblichen Minderbefund führen kann. Wir analysieren daher den Gehalt an Ameisen- und Essigsäure in der Raumluft nach einer Derivatisierung der Zielsubstanzen von Silikagel.

Bei einem großflächigen Einbau von OSB-Platten, wie er aktuell verstärkt auch bei der „Modulbauweise“ von schnell errichteten Gebäuden zur Kinderbetreuung oder als Schule durchgeführt wird, kann es nach unseren Erkenntnissen zu hohen Raumluftbelastungen insbesondere durch Terpene (alpha-Pinen), Aldehyde (Acetaldehyd, höhere Aldehyde) und die „Holzsäuren“ Ameisen- und Essigsäure kommen. Verbunden damit tritt dann auch eine deutliche Geruchsbelastung eines „holzartig-dumpf-öligen-essigartigen“ Geruches mit hohem Belästigungspotenzial auf.

 

01.08.2015
Woolit aus Ziegelsteinen oder Deckenplatten analysieren und bewerten

Wie aktuell in einem von Journalisten des Hessischen Rundfunks (HR) aufgedeckten Schadstoffskandal bekannt wurde, soll die Firma Woolrec jahrelang europaweit Sondermüll als Wertstoff „Woolit“ deklariert an Ziegeleien zur Verwendung als Zuschlagstoff (Porosionsmittel) geliefert und somit gefährliche Stoffe wieder in den allgemeinen Stoffkreislauf zurückgeleitet haben, die zuvor unter strengen Sicherheitsauflagen im Rahmen von Sanierungen entfernt worden sind. Nach den Recherchen des HR soll Woolit seit 2007 auch in Deckenplatten der Firma Knauf AMF in Grafenau (Bayern) beigemischt worden sein. Die Firma Woolrec wurde 2012 geschlossen und die Produktion von Woolit eingestellt.

Durch die Beimischung von älteren Künstlichen Mineralfasern (KMF) in Ziegelsteinen oder Deckenplatten kann auch nach Abschluss von Baumaßnahmen eine gesundheitliche Gefährdung ausgehen, da die KMF beim mechanischen Bearbeiten wie Bohren und Schleifen in die Raumluft abgegeben werden können. Solange das Material unter Putz gebunden vorliegt, stellt es keine Gefahr für die menschliche Gesundheit dar. Sobald jedoch in der Wand gebohrt wird oder Leitungen unter Putz zu verlegen sind können die krebserzeugenden Fasern freigesetzt werden. Unklar ist, ob Fasern an möglicherweise noch unverputzten Wänden durch Luftströmung bereits in die Raumluft abgegeben werden können. Beim Abriss eines solchen Gebäudes sind die entsprechenden Arbeitsschutz- und Deponierechtlichen Vorgaben zu beachten.
Neben den im Woolit verwendeten KMF stellen zudem in Glas eingebundene Schwermetalle ein Problem dar, da auch diese als feiner Staub lungengängig sein können und sich wahrscheinlich ähnlich den KMF nicht am Lungenboden auflösen.

Von vier deutschen Ziegeleien ist nach den Recherchen des Hessichen Rundfunks bisher bekannt, dass sie das Material „Woolit“ als Zuschlagstoff verwendet haben sollen:

2004 bis 2008 Firma Wienerberger in Wefensleben (Sachsen-Anhalt) und in Rietberg (Nordrhein-Westfalen).
2007 bis 2008 Firma Lücking (zunächst zu Testzwecken im Werk Detmold) und dann
2009 bis 2012 Firma Lücking in allen Werken (Standorte bitte erfragen)
2005 bis 2012 Firma Ziegelwerk Juwö in Wöllstein (Rheinland-Pfalz)
2008 bis 2012 Firma Hüning in Olfen

Über weitere Verteilungswege liegen bislang noch keine Informationen vor.
(Quelle: http://hessenschau.de/wirtschaft/antworten-auf-nutzer-fragen-zum-ziegel-skandal,woolrec-ziegel-102.html; Hessenschau vom 28.07.2015)

Wenn Sie wissen möchten, ob in Ihrem Haus oder in einem Haus, das Sie gerne erwerben möchten möglicherweise Woolit-haltige Ziegelsteine verbaut worden sind haben Sie folgende Möglichkeiten:

  1. Schauen Sie in allen verfügbaren Bauunterlagen nach, ob sich hier Hinweise auf die Verwendung von Woolit der Fa. Woolrec durch die o.g. Firmen ergeben.
  2. Fällt das Gebäude in die o.g. Baujahre in Standortnähe der erwähnten Ziegeleien steigt die Wahrscheinlichkeit einer möglichen Belastung.
  3. Gewissheit erhalten Sie mit einer mikroskopischen Analyse mittels REM (Rasterelektronenmikroskop) auf lungengängige Fasern. Eine Bestimmung des KI-Wertes, wie im Fernsehbeitrag angegeben, ist hier u.E. nicht sinnvoll, da diese Untersuchung nur bei nichtverarbeiteten KMF-Fasern zu verlässlichen Ergebnissen führen kann. Der Befund eines KI-Wertes mittels REM eignet sich nur für eine Vorab-Einschätzung.
  4. Eine Bestimmung des Schwermetallgehaltes ist ebenfalls zweitrangig, da hier die Fasergeometrie und damit die Lungengängigkeit der Stäube wieder im Vordergrund für eine mögliche Gefährdung stehen. Schwermetalle in Glas- und Emaille können nur nach besonders aggressiven Säureaufschlüssen analysiert werden. Eine Freisetzung der Metalle selbst ist im menschlichen Körper von daher nach unserer Einschätzung weniger wahrscheinlich aber auch nicht abschließend beurteilt.
  5. Möchten Sie Proben auf Woolit-haltige Beimischungen untersuchen, so raten wir dazu, Proben an mindestens drei verschiedenen Stellen aus Wänden zu entnehmen, da sich die älteren lungengängigen KMF sehr inhomogen in den Ziegelsteinen verteilen können. Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Probenahme. Bei Probebohrungen sollten Sie entstehende Stäube zumindest mit einem H-Staubsauger (leihweise erhältlich z.B. im Baumarkt) absaugen und eine Faserfreisetzung in den Wohnbereich hinein vermeiden.

Wir stehen Ihnen gern telefonisch zur Beratung zur Verfügung und erstellen ein Angebot für eine entsprechende Analyse.

 

20.01.2015
Ameisen- und Essigsäure in der Raumluft als Auslöser für Schleimhautreizungen

Das ARGUK-Umweltlabor stellt ein neues analytisches Verfahren zum Nachweis und zur Bewertung der Reizwirkung und Geruchsbelästigung durch niedere Carbonsäuren wie Ameisen- und Essigsäure in Innenräumen vor. Für die Probenahme dient hierbei Silikagel als Adsorbens, die Analyse erfolgt elegant nach Derivatisierung mittels GC-MS.

Essigsäure stellt ein typisches Abbauprodukt aus Holz dar und ist deshalb auch bekannt als sogenannte Holzsäure. Möglicherweise ist die Emission an Essigsäure deutlich mehr am Auftreten von Schleimhautreizungen beteiligt, als bisher angenommen. Ein wesentliches Vorkommen an Essigsäure betrifft Fertighäuser - ältere Modelle sowie interessanterweise auch neuere Fertighäuser – aber auch andere Innenräume und ist im Wesentlichen auf die Emission aus Pressspan- oder MDF-Platten zurückzuführen. Die Bestimmung von Ameisen- und Essigsäure als Holzsäuren sollte deshalb bei keiner gutachterlichen Bewertung fehlen. Bei Brandereignissen können ebenfalls hohe Konzentrationen an Essigsäure als korrosive Substanz in der Raumluft auftreten.

Für die Bewertung von niederen Carbonsäuren in der Raumluft existieren bisher keine Grenz- bzw. Richtwerte. Die Ad-hoc-Arbeitsgruppe Innenraumrichtwerte des IRK und der AOLG hatte im Jahr 2011 einen Richtwert II (Gefahrenwert) für Essigsäure von 400 µg/m³ vorgeschlagen. Daraus würde sich unter Anwendung bisheriger Ableitungsfaktoren von 2,5-10 eine Spanne für den Richtwert I (Vorsorgewert) für Essigsäure von 40 - 160 µg/m³ ableiten. Der aktuelle Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) für die Ameisensäure liegt mit 20 mg/m³ um den Faktor 2 niedriger als der AGW der Essigsäure mit 40 mg/m³. Demnach würde sich ein Vorsorgewert für Büro- und Wohn-Innenräume für Ameisensäure von 20 - 80 µg/m³ und ein Gefahrenwert von 200 µg/m³ ergeben. In Museen wird zum Schutz vor der Korrosionswirkung von Essigsäure ein Zielwert von 100 µg/m³  zugrunde gelegt. Wir schlagen deshalb für Essigsäure einen Orientierungswert von 100 µg/m³ und für Ameisensäure von 50 µg/m³ vor.            

Von der Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Forschungsinstitute (AGÖF) wurde ein mittels Tenax ermittelter Orientierungswert für Essigsäure von 88 µg/m³ aufgestellt, die eher als semiquantitativ anzusehen ist.

 

50. Perzentil
[µg/m³]

90. Perzentil
[µg/m³]

Max. Wert
[µg/m³]

Min. Wert
[µg/m³]

ARGUK-Orientierungswert [µg/m³]

BG
[µg/m³]

Ameisensäure

19

  36

  42

  7

  50

5

Essigsäure

78

130

330

13

100

5

n=10

 

05.02.2014
Geruchsbelastungen durch iso-Dodecene in Innenräumen mit textilen Bodenbelägen

Das ARGUK-Umweltlabor stellt eine Bewertung der Geruchsbelästigungen durch iso-Dodecene in Innenräumen vor. Anlass boten diverse Messungen und Geruchsprüfungen in Wohnungen bzw. Büroräumen, die mit textilen Bodenbelägen ausgestattet waren und den typischen „Teppichbodengeruch“ aufwiesen.
Als geruchlich relevante Stoffgruppe wurden in vielen Raumluftproben iso-Dodecene angetroffen. Diese Stoffgruppe tritt häufig im Zusammenhang mit Teppichböden bzw. den verwendeten Klebern auf und ist in der Regel mit einem charakteristischen „Teppichboden-Geruch“ assoziiert.
Für die Bewertung von iso-Dodecee in der Raumluft existieren bisher keine Grenz- bzw. Richtwerte. Die durchgeführten Messungen in Innenräumen mit textilen Bodenbelägen und typischen „Teppichbodengeruch“ zeigen, dass es zu iso-Dodecen-Gesamtgehalte von mehr als 300 µg/m³ kommen kann.
Eine sensorische Beeinträchtigung kann unseren Erfahrungen nach bei geruchs-sensiblen Personen, sofern keine weiteren Geruchsstoffe überlagernd hinzukommen, bereits bei Konzentrationen im Bereich von weniger als 20 µg/m³ als Wahrnehmungs- oder auch Erkennungsschwelle vorliegen.
Bei direkter sensorische Bewertung der Raumluft durch geschulte Prüfer vor Ort wird in Räumen mit iso-Dodecen-Gesamtkonzentrationen von mehr als 150 µg/m³ der angetroffene Geruch in der Regel als eher nicht akzeptabel eingestuft.
Toxikologisch sind uns jedoch keine gesundheitsschädigenden Wirkungen derartiger Raumluftkonzentrationen bekannt, so dass diese Gehalte vorerst lediglich als das Wohlbefinden beeinträchtigend bis störend einzustufen sind.
Wir schlagen daher vor, bei Raumluftkonzentrationen an iso-Dodecenen oberhalb dieses Auffälligkeitswertes von 150 µg/m³ eine sensorisch-analytische Quellensuche und -beseitigung vorzunehmen. Der vorgeschlagene Auffälligkeits-wert basiert auf den analyisch erfassbaren Gesamtgehalten an Iso-Dodecenen in der Raumluft.
Als iso-Dodecen-Quelle kommt nach unseren bisherigen Erfahrungen nicht so sehr der Bodenbelag in Betracht als vielmehr der Kleber. In Einzelfällen kann aber auch der Teppichboden selbst die Geruchsquelle darstellen. Durch Emissions-prüfungen der Materialien kann hier eine eindeutige Zuordnung getroffen werden.

 

04.02.2014
Brandschäden: Neue IRK-Richtwerte für Naphthalin und Naphthalin-ähnliche Verbindungen zur Beurteilung des Sanierungserfolges

Die Ad-hoc-Arbeitsgruppe Innenraumrichtwerte der Kommission Innenraumlufthygiene (IRK) und der Obersten Landesgesundheitsbehörden hat die bereits im Jahr 2004 erlassenen Richtwerte (RW) I und II für Naphthalin auf einen Vorsorgewert von 0,01 mg/m³ (vorher 0,002 mg/m³, RW I) und einen Gefahrenwert von 0,03 mg/m³ (vorher 0,02 mg/m³ RW II) heraufgesetzt. Die für Naphthalin abgeleiteten Richtwerte sind nun auch als Summenwerte für die Gesamtgruppe Naphthalin-ähnlicher Verbindungen wie weitere bi- und trizyklische aromatische Kohlenwasserstoffe zu verwenden.

Die Kommission trägt damit neueren wissenschaftlichen Studien im Niedrigdosisbereich Rechnung, nach denen der Schwellenwert für den empfindlichsten toxischen Endpunkt in einer zytotoxisch entzündlichen Reaktion im nasalen Gewebe der Ratte gegeben ist, hier aber bei einer um mehr als einer Größenordnung niedrigeren Konzentration unterhalb der bei der Ratte beobachteten krebserzeugenden Wirkungskonzentration liegt. Angesichts des Fehlens belastbarer Humandaten geht die Ad-hoc Arbeitsgruppe für ihre Ableitung von Richtwerten für Naphthalin weiterhin von diesem Endpunkt aus.

Als Quelle für Naphthalin in der Innenraumluft kommen vor allem Emissionen aus teerhaltigen Bauprodukten wie Teerpechkleber, Asphaltbodenplatten oder gelegentlichem Einsatz von Mottenkugeln in Betracht. Weiterhin bildet Naphthalin als Produkt einer unvollständigen Verbrennung einen Beitrag als Brandgeruchsstoff nach Brandereignissen.

Naturgemäss kommt Naphthalin meistens mit mono- und dimethylierten Naphthalinen sowie weiteren trizyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen wie Acenaphthen, Acenaphthylen, Anthracen, Fluoren und Phenanthren vor. Methyl- und Dimethylnaphthaline liegen üblicherweise nur in geringer Konzentration in der Innenraumluft vor, tragen aber vermutlich deutlich zum mottenkugelartigen Geruch bei. Nach Brandereignissen treten diese in erhöhter Konzentration in der Innenraumluft auf. Die Ad-hoc-Arbeitsgruppe fasst diese Verbindungen unter dem Oberbegriff der Naphthalin-ähnlichen Verbindungen zusammen und legt aufgrund des geringen Kenntnisstandes zu deren gesundheitlicher Wirkung fest, dass die für Naphthalin abgeleiteten Richtwerte auch als Summenwerte für die Gesamtgruppe der bi- und trizyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe zu verwenden sind.

Im Europäischen Gefahrstoffrecht ist Naphthalin als krebsverdächtig (Karz. 2) eingestuft.

Der Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) hat auf Grundlage des nichtkanzerogenen Endpunktes (nasale Entzündungen) einen sogenannten Arbeitsplatz-analogen Schwellenwert von 0,5 mg/m³ für Naphthalin festgelegt.

Eine Überprüfung der IRK-Richtwerte für Naphthalin ist vor allem bei vermuteten oder vorhandenen Quellen aus Bauprodukten in Innenraum sinnvoll, aber auch als Sanierungskontrolle für Brandgeruchsstoffe nach Brandereignissen.

Sofern ein entsprechender Geruch vorhanden ist, ist zumindest der Vorsorgewert RW I für Naphthalin erfahrungsgemäß bereits überschritten. (weitere Informationen finden sie hier)

 

07.12.2013
Nichtraucherschutz:
ARGUK etabliert ersten hygienischen Leitwert für die Geruchsbelastung durch Zigarettenrauch in Nichtraucherwohnungen

Das ARGUK-Umweltlabor etabliert erstmals einen hygienischen Leitwert für die Bewertung von Geruchsbelästigungen in Nichtraucherwohnungen. Anlass boten Messungen in ehemaligen Raucherwohnungen, die z.T. auch nach bereits durchgeführten umfangreichen Sanierungsmaßnahmen zur Umnutzung für Nichtraucher freigegeben werden sollten, in denen aber noch massiver Geruch nach Zigarettenrauch bemängelt wurde. Hier stellt sich vor allem die Frage, wie weit eine Sanierung im finanziell ggf. noch tragbaren Rahmen durchgeführt werden muss, ohne die Gesundheit der nichtrauchenden Nachbewohner zu beeinträchtigen. Zur Beantwortung diese Frage kann der neue Leitwert herangezogen werden und Hilfestellung in der Kommunikation Mieter - Vermieter bieten.
Für die Bewertung wird als Parameter Nikotin in der Raumluft als Leitkomponente für die Anwesenheit von Zigarettenrauch herangezogen. Der Anteil an Nikotin im Zigarettenrauch beträgt bis zu 90 % Nikotin (ohne Berücksichtigung von Kohlenmonoxid und anderen leichtflüchtigen Bestandteilen). Nikotin selbst als Reinsubstanz ist weitgehend geruchslos, ein Geruchsschwellenwert liegt deshalb nach unserem derzeitigen Kenntnisstand nicht vor. Es ist anzunehmen, dass der typische Geruch durch die vielen weiteren Bestandteile des Zigarettenrauchs bedingt ist. Eine vollständige messtechnische Erfassung ist aufgrund der großen Anzahl dieser Verbindungen in geringer Konzentration praktisch jedoch nicht durchzuführen.

Aufgrund des fehlenden Geruchsschwellenwerts für Nikotin wird zur Beurteilung von Nikotin in der Raumluft neben dem Ergebnis der chemischen Bestimmung vor allem auch der sensorische Eindruck vor Ort mit berücksichtigt.

Für die Bewertung von Nikotin-Konzentrationen in der Raumluft existieren bisher keine gesetzlichen Grenz- oder Richtwerte. Literaturangaben zufolge schwanken Gehalte an Nikotin in der Raumluft bei Anwesenheit von Rauchern z.B. zwischen 150 µg/m³ und 490 µg/m³ und in Nichtraucherlokalitäten wie Schulen oder Krankenhäusern zwischen sehr geringen Mengen und noch immer bis zu 45 µg/m³, im Wartezimmer einer Arztpraxis werden 0,08 µg/m³ bis 0,22 µg/m³ ermittelt. Die Studie ergibt, dass sich die Konzentration an Nikotin in der Raumluft bereits messbar erhöht, sobald ein Raucher den Raum betritt, auch wenn dieser gerade nicht mehr raucht.

(Moshammer et al; Nicotine and surface of particulate as indicators of exposure to environmental tobacco smoke in public places in Austria, Int. J. Hyg. Environ. Health 206 (2004); 1-7)

 

Eine sensorische Beeinträchtigung kann nach unserer Erfahrung bei geruchssensiblen Personen bereits bei einem Gehalt im Bereich von weniger als 0,1 µg/m³ Nikotin  als Wahrnehmungs- oder auch Erkennungsschwelle für (alten) Zigarettenrauch vorliegen. Unser Leitwert für die Raumluftkonzentration an Nikotin für Erwachsene liegt mit mehr als 0,2 µg/m³ oberhalb dieser Schwelle, sodass eine sensorisch-analytische Beurteilung als Einzelfallprüfung erforderlich ist.

 

13.11.2013
Östrogen wirksame Substanzen im Hausstaub

Ertsmal bietet das ARGUK-Umweltlabor den neuen Parameter „Staubgetragene Östrogen wirksame Stoffe“  zur Untersuchung in Hausstaubproben an. Mit diesem Parameter kann erstmals eine direkte stoffwechselbezogene Wirksamkeit von Staubproben messtechnisch erfasst werden

Östrogene sind körpereigene Botenstoffe (z. B. Estron, Estriol, Estradiol), die für die Entwicklung der weiblichen Geschlechtsorgane und der sekundären Geschlechtsmerkmale verantwortlich sind. Sie bestimmen die erste Hälfte des weiblichen Zyklus: Sie rufen den Eisprung hervor und bereiten die Gebärmutter auf eine mögliche Schwangerschaft vor. Östrogene werden v. a. in den Eierstöcken und in der Plazenta gebildet sowie in der Nebennierenrinde und in geringer Menge auch im männlichen Hoden.

Östrogen wirksame oder endokrine Stoffe sind jedoch körperfremde Umweltchemikalien, die definiert sind als ein von außen zugeführter Stoff, der in Synthese, Ausscheidung, Transport, Bindung, Wirkung oder Eliminierung von natürlichen Hormonen im Körper eingreift, die für die Aufrechterhaltung des hormonellen Gleichgewichtes (Homeostasis), die Fortpflanzung, die Entwicklung und/oder das Verhalten verantwortlich sind. Damit lösen diese Stoffe ähnliche Stoffwechselprozesse aus, wie die körpereigenen Hormone. Es wird jedoch auch eine Deaktivierung dieser Stoffwechselprozesse beobachtet, die durch Blockade der Rezeptorbindungsstellen der natürlichen Hormone verursacht werden. Umweltchemikalien können aber auch indirekt (antiöstrogenbzw. antiandrogen) die Synthese und den Abbau von Steroidhormonen beeinflussen, indem sie beispielsweise die Enzymaktivität und daraus resultierend die Hormon- bzw. Hormonrezeptorkonzentration in den Zielorganen  verändern. Derartige Effekte sind bei verschiedenen Organochemikalien, z.B. PCB, Dioxinen sowie auch bei Schwermetallen beobachtet worden (SCHLUMPF ET AL., 1996). Zu den Östrogen wirksamen Substanzen zählen auch Vertreter der Phthalate, der Phenole und der Bisphenole.

Es ist in der Regel aufwändig, auch nur die bekannten Östrogen wirksamen Verbindungen in einer Probe analysieren zu wollen – zumal davon ausgegangen werden muss, dass nach heutigem Kenntnisstand nicht alle derartigen Substanzen bekannt sind. Die Bestimmung eines Summenparameters kann daher auf einfacherem Wege eine Aussage zum Belastungsgrad ermöglichen. Wir greifen dazu auf einen biochemischen Test zurück, der summarisch die östrogenartige Wirkung auf lebende Zellen erfasst. Bei einem hohen Gehalt an Östrogen-Äquivalenten kann im zweiten Schritt auch eine Einzelstoff-Bestimmung vorgenommen werden, um eine Ursache für das Schadstoff-Vorkommen zu finden. Insbesondere beim vorbeugenden Gesundheitsschutz von Kindern erscheint die Vermeidung oder zumindest die Reduzierung von entwicklungsstörenden hormonell wirksamen Substanzen im Innenraum zwingend und unerlässlich.

Die Bestimmung des Summen-Gehaltes an Östrogen wirksamen Verbindungen erfolgt über den üblichen Sieben-Tage-Hausstaub, der für Klein- und Krabbelkinder auch einen wesentlichen Aufnahmepfad für partikelgebundene Schadstoffe darstellt.


30.09.2013

Verfahren der  Material-Emissionsprüfung im Vergleich 

Oftmals stellt sich uns im gutachterlichen Alltag die Frage nach der Möglichkeit von Materialemissionsprüfungen. Wir stehen vor den vielfältigsten Problemen im Spannungsfeld zwischen Kundenwunsch, möglicher Analytik, der damit verbundenen Aussagekraft und dem entsprechenden Kostenfaktor. Als Probe steht oft nur eine geringe Menge zur Verfügung, der Kunde ist weit entfernt, eine Begutachtung vor Ort und zerstörungsfreie Probenahme z.B. mittels FLEC aufgrund der Entfernung oder der Materialbeschaffenheit vielleicht garnicht möglich.

Zudem quält die Frage: Lohnt sich eine entsprechende kostenintensive Untersuchung und welche Information erhalte ich aus der Analytik?

Kostengünstige Verfahren wie die der Extraktionsmessung erlauben keinerlei Rückschlüsse auf mögliche Emissionsprozesse und scheiden von daher i.d.R. als wenig aussagekräftig aus. Eine Analyse mittels Prüfkammer erlaubt zwar begrenzt die Möglichkeit der Vergleichbarkeit von Meßwerten und eröffnet weitere Beurteilungsmaßstäbe, das Verfahren ist aber vergleichsweise kostenintensiv und vor allem auch sehr zeitaufwändig.

Im Alltag sind eher problemorientierte Fragestellungen zu beantworten: Es sind erhöhte Meßwerte einer bestimmten luftgetragenen Substanz festgestellt und der Nachweis der Quelle wird gefordert oder es besteht ein Geruchsproblem und der Geruch wird mit einem bestimmten Material in Verbindung gebracht.

Geruchsprobleme nehmen in diesem Zusammenhang eine Sonderstellung ein. Abhängig von der Ausgangslage führen hier oftmals weder Raumluftuntersuchungen noch Emissionsmessungen zu einem gewünschten Resultat, weil die Geruchstoffe analytisch garnicht zu erfassen sind. Hier empfehlen auch wir als Labor eher eine rein sensorische Geruchsprüfung nach VDA 270 durch unser Team von zertifizierten Geruchsprüfern oder den Einsatz unseres Geruchsprüferpanels mit 4-5 Prüfern vor Ort.

Die ARGUK-Umweltlabor GmbH erforscht hinsichtlich der Emissionsprüfungen schon seit vielen Jahren Alternativen zu den herkömmlichen Verfahren, um den vorgenannten speziellen Anforderungen gerecht werden zu können.

In der Tabelle haben wir die Möglichkeiten der Emissionsprüfungen im ARGUK-Umweltlabor für Sie zusammengestellt. Machen Sie sich ein Bild über Ihre Möglichkeiten und kontaktieren Sie uns, wenn Sie dazu Fragen haben. Wir helfen gerne weiter!


05.04.2013

Mineralöl in Hausstaub und Raumluft:

ARGUK präsentiert Studie zum Vorkommen von Mineralöl (MOSH und POSH)

Angeregt durch zahlreiche Veröffentlichungen über Mineralöl-kontaminierte Lebensmittel­verpackungen und daraus resultierende Lebensmittelbelastungen mit Mineralöl, hat das ARGUK-Umweltlabor in einer Vielzahl von Hausstäuben sowie einer Raumluft – beides aus dem laufenden Auftragseingang – die Mineralölgehalte bestimmt.

Überraschenderweise zeigte sich dabei in allen Proben ein Mineralöl-Muster, das dem in Lebensmittel-verpackungen sehr ähnlich ist und in dieselbe Toxizitätsklasse fällt wie dieses. Es handelt sich hier wie dort weit überwiegend um Mineral Oil Saturated Hydrocarbons (MOSH) der Gruppe 2, Klasse III. Die Klassifizierung von MOSH folgt einer Vorgabe des „Joint Expert Committee on Food Additives“ (JEFCA) aus Experten der beiden UNO-Unterorganisationen FAO und WHO, das auch in 2002 für alle Gruppen und Klassen vorläufige Werte zur Duldbaren Täglichen Aufnahme (ADI-Werte) veröffentlicht hat.

Legt man den ADI-Wert für das vorgefundene Mineralölmuster an die ermittelten Hausstaub- belastungen an und führt eine verteilungsbasierte Expositions- und Risikoabschätzung durch, so zeigt sich folgendes:

In der Studie werden gefahrenbezogene Orientierungswerte für MOSH in Hausstaub und Luft von Wohnräumen abgeleitet und Begrenzungsvorschläge für MOSH in Bürostaub und -luft gemacht. Sie steht Ihnen hier vollständig zur Verfügung.

   

14.03.2013

ARGUK ergänzt Fogging-Parameterliste

Die ARGUK-Umweltlabor GmbH hat seine Parameterliste für Fogging-Proben (Wischproben, Hausstaub, Material- und Kerzenabbrandproben) um eine Vielzahl weiterer Substanzen ergänzt.

Die Ergänzungen betreffen 13 neue Wirkstoffe aus folgenden Stoffgruppen:

Fettsäureester

aus dem Bereich der Palmin-, Öl- und Arachidonsäure:

Fettsäureester kommen in Lebensmitteln vor und werden verbreitet auch in Kosmetika eingesetzt. In technischen Produkten (z.B. Leder, Holzbeschichtungen) werden sie als Weichmacher verwendet. Das Auftreten dieser Substanzgruppe in Innenräumen ist typisch und weist auf die weite Verbreitung dieser technischen Substanzen hin.

Weichmacher

Phthalate, Trimellitat,  Maleinate, Citrate und Fumarate:

Die Gruppe der Phthalate umfasst technisch breit eingesetzte Substanzen, die z.B. in PVC oder in Lacksystemen zur besseren Verarbeitbarkeit oder für bestimmte Gebrauchseigenschaften verwendet werden. Als Phthalate treten überwiegend Diethyl-, Benzylbutyl-, Di-(2-Ethylhexyl) - und Dibutylphthalat auf. DMP und DEP werden aber auch als Lösemittel eingesetzt. Viele der altbekannten Phthalate werden jedoch zunehmend durch andere Phthalate bzw. andere Weichmacher ersetzt, dem wir mit der Erweiterung der Wirkstoffliste Rechnung tragen

.

Da zu diesen neuen Wirkstoffen noch kein ausreichend gesicherter Datenpool vorliegt, bleiben die bislang vorliegenden Orientierungswerte vorerst unverändert, eine Bewertung kann aber durchaus an den bisher angegebenen Summenwerten vorgenommen werden.

Damit umfasst das Fogging-Analysenspektrum nun folgende Stoffgruppen (Anzahl der Einzelverbindungen): 

Alkane als Summenwert (18)

Fettalkohole (4)

Fettsäuren (16)

Fettsäureester (10)

Phthalate (12)

andere Weichmacher / Anhydride (14)

Nikotin

Squalen

Cholesterol sowie die

Gesamtflächenbeladung.

und stellt somit das wahrscheinlichst umfangreichste Untersuchungsprogramm auf Fogging-aktiv Substanzen dar.

 

23.01.2013

Fertighaus-Untersuchung und Gutachterliche Verantwortung

Die ARGUK-Umweltlabor GmbH hat in Zusammenarbeit mit dem Institut für Angewandte Umweltforschung e.V. bereits vor mehr als 10 Jahren zum Bekanntwerden der Schadstoffsituation in älteren Fertighäusern beigetragen und pflegt in Verbindung beider Institute einen umfangreichen Datenpool zu Art des Herstellers, Baujahr und Schadstoffbelastung einzelner Objekte. Aus diesem Datenpool heraus kann ein Standard für die Mindestanalyse-notwendigkeit in Zusammenhang mit Fertighäusern der Bauzeit Mitte der 1960er bis Anfang der 1980er Jahre abgeleitet werden. Allein nach Baujahr und Hersteller allein lassen sich keine Rückschlüsse auf die Schadstoff-belastung in einem einzelnen Gebäude ziehen.

Zum Hintergrund:

In älteren Fertighäusern der o.g. Baujahre war es üblich die Holzständerkonstruktion und andere Holzbauteile mit Holzschutzmitteln, vor allem PCP, Lindan oder Chlornaphthalinen, zu imprägnieren. Die Pressspan-Teile enthalten ein formaldehyd-emittierendes Bindemittel. Durch Umwandlung der Chlorphenole wie auch durch die Chlornaphthaline selbst kommt es zu einem muffigen Geruchseindruck, der bei leerstehenden Häusern gern auf „abgestandene“ Luft zurückgeführt wird. Dieser Geruch lässt sich jedoch mit üblichen Renovierungsarbeiten nicht beseitigen und ohne Kenntnis der tatsächlichen Belastungen durch Schadstoffe und der Geruchsstoffe lassen sich auch keine Sanierungsmaßnahmen ableiten. Bei fehlerhaften gutachterlichen Untersuchungen oder Empfehlungen können entsprechende Regressforderungen auch an den Sachverständigen selbst aufkommen. Nachdem die gesamte Problematik inzwischen zwar hinreichend bekannt, aber nicht immer ausreichend kommuniziert ist, stehen wir als Gutachter an dieser Stelle in einer besonderen Verantwortung, da bei der Bewertung jedes einzelnen Objektes sowohl die Gesundheit der Betroffenen als auch enorme finanzielle Werte betroffen sind.

Um diesem Sachverhalt ausreichend Rechnung zu tragen, möchten wir Sie an unserer in vielen Jahren erarbeiteten Erfahrung teilhaben lassen. Als Mindestparameter für die Untersuchung bzw. Bewertung eines älteren Fertighauses erachten wir folgendes Vorgehen für zwingend notwendig:

  1. zwei Raumluftproben auf Formaldehyd                   
    Wir empfehlen die Untersuchung von mindestens zwei Raumluftproben, um eine halbwegs repäsentative Aussage über die Formaldehydkonzentration im Gebäude treffen zu können.
  2. eine Raumluftprobe auf PCP, Lindan, Tetrachlorphenol, gamma-Pentachlorcyclohexen (γ-PCH), Chloranisole und 1-+ 2-Chlornaphthaline.
    Da der Gehalt an PCP mit dem Gehalt an Chloranisolen trotz des Zusammenhangs der Entstehung nicht korreliert, ist die Bestimmung von PCP allein zur Beurteilung einer möglichen Belastung mit Chloranisolen nicht ausreichend! Die Bestimmung des Abbauproduktes γ-PCH ist dagegen aufgrund der z.T. recht hohen Konzentrationen von großer Bedeutung.
  3. Im Einzelfall können weitere Untersuchungen wie Biozide, Weichmacher, Flammschutzmittel im Hausstaub oder Schimmelsporen in der Raumluft sinnvoll sein.

Plausibilitätskontrolle

Falls vor Ort Unklarheiten über Angaben zum Lüftungszustand oder möglicher Manipulationen der Probenahmebedingungen bestehen, kann unter Verwendung unserer Datenbank mit einem Datenpool von mehreren hundert Objekten eine Plausibilitätskontrolle der Messwerte durchgeführt werden. Die Einteilung erfolgt in:

plausibel – wenig plausibel – nicht plausibel

Für die Einschätzung müssen uns Hersteller und Baujahr bekannt sein und zu den Messwerten auch Raumtemperatur und rel. Luftfeuchte angegeben werden. Diesen Service bieten wir ausschließlich unseren Kunden an, die die entsprechende Analytik in unserem Hause beauftragt haben.