weitere Informationen:

 

Quecksilber in der Raumluft:

Irreguläre Prozesse bei der Anreicherung von Quecksilber an Gold nach VDI-Norm 2267, Blatt 9 Studienreihe Teil 1

Differenzierende Bestimmung von Gesamt-Quecksilber und Quecksilber(II)chlorid („Sublimat“) in der Raumluft
Studienreihe Teil 2

 

Quecksilber messen mittels Passivsammler

 

Häufige Fragen zu Quecksilber,
UBA, 04.05.2016

Innenraumluftbelastungen durch Quecksilber aus Energiesparlampen, LGL 01.09.2014

Quecksilber in Zahnarztpraxen, Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst
und Wohlfahrtspflege (BGW), 8/2012

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quecksilber in der Raumluft messen und sanieren

Messen von Sublimat-Quecksilber, metallischem und Gesamt-Quecksilber in der Raumluft

Auf dem Bild ist das Luftsammelgerät BiVOC mit Quecksilber-Sammlern zu sehen.

In Innenräumen können neben dem bekannten metallisch/elementaren Quecksilber aus zerbrochenen Thermometern, Energiesparlampen, alten Spiegel oder Meßgeräten auch zweiwertige Quecksilber- oder organische Verbindungen von Quecksilber in nicht unerheblicher Konzentration auftreten. Die nichtmetallischen Verbindungen sind vor allem auf die Verwendung von Quecksilber (I+/II+) als Farbpigment, im Pflanzenschutz oder als Fungizid im Holzschutz zurückzuführen und finden sich überwiegend in älteren Häusern. Zur Hautaufhellung werden Quecksilber (II+)-Verbindungen bis heute noch in Afrika und Asien verwendet. Als Desinfektionsmittel fanden Quecksilberverbindungen bis 2003 Anwendung.

Elementares Quecksilber und organische Quecksilber-Verbindungen werden über den Atemtrakt bis zu 100% resorbiert. Sie sind toxikologisch zudem besonders relevant, da sie nach Resorption die Blut-Hirn-Schranke überwinden können, Quecksilber (I+/II+)-Verbindungen erst nach Metabolisierung. Bei chronischer Belastung durch elementares Quecksilber werden unter anderem Nieren- und Nervenschädigungen beobachtet.

Der von der ehemaligen Ad-hoc-Arbeitsgruppe Innenraumrichtwerte der Kommission Innenraumlufthygiene (IRK) und der Obersten Landesgesundheitsbehörden – heute Ausschuss für Innenraumschadstoffe (AIR) im Umweltbundesamt – etablierte Innenraumrichtwert I liegt mit 35 ng/m³ (Vorsorgewert) in einem sehr niedrigen Bereich und wurde für metallisches Quecksilber abgeleitet. Aufgrund der kritischen toxikologischen Eigenschaften der nichtmetallischen und organischen Quecksilber-Verbindungen ist der Richtwert jedoch auf den Gesamt-Quecksilber-Gehalt der Raumluft anzuwenden. Mit dem derzeit gültigen VDI-Norm 2267, Blatt 9 wird jedoch nur metallisches Quecksilber erfasst.

Das ARGUK-Umweltlabor hat deshalb eine Methode für die differenzierende Bestimmung des Sublimats, des metallischen und des Gesamt-Gehaltes an Quecksilber in der Raumluft entwickelt.


SOFORTMASSNAHME bei Bruch eines alten Quecksilberthermometers:

Ruhe bewahren. Weitere Personen aus dem Raum geleiten und Fenster öffnen. Das Quecksilber z.B. mit Papier zusammenfegen und in einem dichten Glasgefäß sammeln. Reste mit einem Absorbermaterial (erhältlich in der Apotheke oder bei der örtlichen Feuerwehr) binden! Das absorbierte Material oder gar die Kügelchen selbst dürfen auf keinen Fall mit dem Staubsauger aufgenommen werden, um eine Verteilung des Quecksilbers über die Luft zu vermeiden! .

Spezialfirmen oder die Feuerwehr können ihnen ggf. bei der Beseitigung des Quecksilberschadens helfen. Bewährt haben sich dabei, nach dem vollständigen Entfernen der metallischen Quecksilberquelle, das sorgfältige Reinigen der Oberflächen mit Silbernitrat-haltigen Desinfektionslösungen (vorher auf Verfärbungen prüfen!). Nach solch einem Ereignis ist es wichtig, die Raumluft auf Quecksilber zu untersuchen, um den Sanierungserfolg zu überprüfen bzw. den Raum wieder zur Nutzung freizugeben.

 

…wo ist mit erhöhten Quecksilbergehalten in der Raumluft zu rechnen?

Q
uecksilberbelastung in älteren Schulen, Kliniken und Laboren

Innenraumbelastungen durch Quecksilber im nichtgewerblichen Bereich sind vornehmlich durch metallische Dämpfe, z.B. von zerbrochenen Thermometern oder offenen Barometern zu erwarten.

Das metallische Quecksilber hat dabei die unangenehme Eigenschaft sich in kleinste Ritzen, Bodenfugen oder hinter Fußleisten zu verbergen. Von dort stellt es noch nach Jahrzehnten eine Quecksilberquelle dar, die für Quecksilberraumluftbelastungen oberhalb des Gefahrenwertes von 350ng/m3 sorgen können.

Zu erwarten sind solche Quecksilberbelastungen deshalb in älteren Schulen, dabei vornehmlich in den Physik- und Chemie-Bereichen. Auch in älteren Kliniken, in denen vor Jahren noch Quecksilber-Thermometer oder Blutdruckmessgeräte benutzt wurden, sind oft betroffen. Dort wurden auch quecksilberhaltige Desinfektionsmittel verwendet. Ein weiterer sehr gefährdeter Bereich sind medizinische oder chemische Labore.


Quecksilberbelastung in Privathaushalten

Metallisches Quecksilber ist neben alten Quecksilberthermometern auch in manchen alten Uhrpendeln (eingeschlossen in Glasampullen) sowie in alten Kippschaltern zu finden und kann entsprechend bei Bruch freigesetzt werden. Alte Spiegel sind häufig mit Quecksilber bedampft und setzen noch lange Zeit Quecksilber frei (siehe 3. Museen)

Auch nach dem Bruch von Energiesparlampen oder Leuchtstoffröhren kann Quecksilber an die Raumluft abgeben werden. Besonders problematisch ist der Glasbruch dann, wenn das Leuchtmittel zum Zeitpunkt des Bruches geleuchtet hat, da im Betrieb das gesamte Quecksilber der Lampe bzw. Röhre als Gas in dem Glasbehälter ist und von dort freigesetzt wird. In diesem Fall ist es ratsam die Innenraumbelastung durch Quecksilber zu untersuchen.

Weitere mögliche Quecksilberquellen in Privathaushalten sind ein sehr alter Baubestand oder Antiquitäten. In diesen alten Baumaterialien wurden bis in die 70er Jahre Quecksilberverbindungen zur Desinfektion und als Holzschutzmittel verwendet. Diese Verbindungen können als Gas aus dem Material austreten.


Quecksilberbelastung in Museen

Alte Spiegel wurden früher mit metallischem Quecksilber belegt. Dieses Quecksilber geht in die Raumluft über und bewirkt oft erhebliche Quecksilberraumbelastungen die über dem Gefahrenwert von 350ng/m3 liegen.

Zur Konservierung von Textilien-Exponaten wurde früher oft Quecksilber-(II)-chlorid („Sublimat“) verwendet. Exponaten aus Holz können mit quecksilberhaltige Holzschutzmittel behandelt sein(z.B. Quecksilber-Naphthenate).

Diese unterschiedlichen Quecksilberspezies lassen sich nach der von uns entwickelten Methode getrennt voneinander bestimmen, damit kann man Rückschlüsse auf die möglichen Quecksilberquellen ziehen.


Quecksilberbelastung in Zahnarztpraxen

In Zahnarztpraxen ist vermehrt mit einer Belastung der Raumluft durch Quecksilber zu rechnen. Die Ursache dafür liegt in den quecksilberhaltigen Amalgamfüllungen. Dabei kommt es in Praxen, in denen immer noch Amalgamfüllungen gesetzt werden, beim Anrühren des Amalgam-Materiales, beim Setzen der Füllung und bei den anschließenden Polierarbeiten zum Austrag von metallischem Quecksilber. Aber auch in Zahnarztpraxen, in denen keine Amalgamfüllungen mehr verwendet werden, kommt es bei der Sanierung von alten Amalgamfüllungen zum Austrag von Quecksilber. Gerade der Bohrvorgang führt zu einer Erhitzung des Materials, was die Verdampfung von Quecksilber begünstigt. Im Zuge einer groß angelegten Studie der Berufsgenossenschaft Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) (Stand 2012) wurde für die 1980er Jahren ermittelt, dass in den Praxen, in denen mit Amalgam gearbeitet wurde, die Raumluftbelastung durch Quecksilber bei 2000 ng/m3 bis 10000 ng/m3 lag. Der Arbeitsplatzgrenzwert (10µg/m3) wurde dabei zwar eingehalten, der Innenraumrichtwert von 35 ng/m3 sowie der Gefahrenwert von 350 ng/m3 sind dadurch jedoch stark überschritten.

Das Institut für Angewandte Umweltforschung (IfAU) plant eine Studie zur Untersuchung der Quecksilberkonzentration in Zahnarztpraxen. Zahnärzte/innen, die an dieser Studie interessiert sind bzw. teilnehmen möchten, können sich gerne bei uns melden.

Ihre Ansprechpartner bei Fragen zu Quecksilber in der Raumluft

Dr. Wigbert Maraun, Dr. Almut Gebhardt, Sonja Pfeil, Tel. 06171 / 71817